Vom
KdF-Wagen zum Beetle
Der VW Käfer war einzigartig: Schon zu Zeiten, als er seine
größten Erfolge feierte, galt er als hoffnungslos
veraltet, und doch fuhr er mit heiserem Getucker in aller Welt
von Erfolg zu Erfolg und erlangte einen unvergleichbaren Kultstatus.
Die Story in Bildern.
Wolfsburg
- Millionen von Menschen haben sich in eisigen Wintern gefragt,
ob es so schwer sein kann, eine vernünftige Heizung in
ein Auto einzubauen. Unzählige Familien sind an dem Versuch
gescheitert, ihr Urlaubsgepäck in ihm zu verstauen - und
doch haben sie alle ihn irgendwie geliebt. Jetzt allerdings
geht die Erfolgsgeschichte des Volkswagens zu Ende: Nach fast
70 Jahren und mehr als 22 Millionen gebauten Exemplaren wird
in diesem Sommer das letzte Exemplar im VW-Werk Puebla in Mexiko
gebaut.
Begonnen hatte alles in den dunklen Zeiten des Dritten Reiches
mit einem "Exposé, betreffend den Bau eines deutschen
Volkswagens", verfasst vom Konstrukteur Ferdinand Porsche.
Der hatte schon 1931 für die Firma Zündapp einen Heckmotor-Wagen
entwickelt und danach für NSU weiter an seinen Ideen gefeilt.
Doch auf die Straße kam keines der Projekte. Nun aber
stießen seine Pläne auf so viel Interesse, dass der
Reichsverband der Automobilindustrie am 22. Juni 1934 mit Porsche
einen Vertrag schloss. Das Ziel war die Entwicklung eines Volkswagens
im wahrsten Sinne des Wortes.
Der erste Prototyp wurde 1935 fertig. Ende 1936 starteten drei
Probe-Exemplare zu ausgedehnten Testfahrten. Auch wenn sich
diese Fahrzeuge noch von dem unterschieden, was später
einmal der Käfer werden sollte, waren das ebenso geniale
wie einfache Prinzip der Konstruktion und die Grundidee der
kugeligen Form schon vorhanden. Im Februar 1937 begutachtete
Adolf Hitler eines der frühen Exemplare und zeigte sich
angetan. Er hatte auch einen Namen für das Auto des Volkes
parat: "KdF-Wagen" sollte es heißen - KdF stand
für "Kraft durch Freude" und war ein Motto der
so genannten Arbeitsfront, einem von den Nationalsozialisten
erzwungenen Zusammenschluss aller Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände.
Damit
die Motorisierung des Volkes mit dem KdF-Wagen möglichst
zügig vonstatten ging, wurde am 26. Mai 1938 der Grundstein
für ein Automobilwerk bei Fallersleben gelegt. Bei der
Gelegenheit stellte Ferdinand Porsche auch vor, was sich aus
dem Urmodell des Volkswagens so alles machen ließ - neben
der geschlossenen Limousine wurden ein Modell mit Rolldach und
sogar ein Cabriolet präsentiert. Die Deutschen zeigten
sich entzückt von den Autos - und von der Möglichkeit,
die 990 Reichsmark für ihren KdF-Wagen anzusparen. Mehr
als 300.000 Menschen sollen bis Kriegsende Raten für ihren
Wagen anbezahlt haben. Bekommen hat jedoch niemand etwas für
das Geld.
Der
Zweite Weltkrieg lenkte die Gedanken in andere Richtungen -
die des Volkes wie die der Verantwortlichen für den Autobau.
Denn obwohl zuvor vollmundig vom Bau von bis zu 500.000 Volkswagen
jährlich gesprochen wurde, verließen in den kommenden
Jahren nur einige Hundert zivile Exemplare das neue Werk. Stattdessen
wurde die Technik für Militärfahrzeuge genutzt. Rund
60.000 Kübelwagen und Schwimmwagen mit Volkswagen-Herz
kamen an den Fronten zum Einsatz.
Am Ende des Krieges 1945 lag ein Großteil des Werkes nach
Bombenangriffe in Schutt und Asche - aber zumindest bekam der
neu erschaffene Ort, an dem mittlerweile rund 17.000 Menschen
lebten, endlich einen Namen: Wolfsburg. So langsam kam auch
der fast schon tot geglaubte Volkwagen wieder ins Laufen. Bereits
1947 begann der Export einiger Exemplare in die Niederlande,
1949 erreichten die ersten Käfer die USA - jenes Land,
das dem deutschen Auto überhaupt erst jenen Namen verpasste,
der heute so geläufig ist. "Beetle" nannten die
Amerikaner ihn - Käfer. Die Bezeichnung soll erstmals 1938
von der Zeitung "New York Times" verwendet worden
sein.
Von
da an ging es bergauf. Und das, obwohl selbst der damalige Volkswagen-Chef
Heinrich Nordhoff schon kurz nach seinem Amtsantritt im Jahr
1948 mit der Aussage zitiert wurde, man baue da ein Auto, das
"so viel Fehler wie ein Hund Flöhe hat". Das
hatte zur Folge, dass am Käfer über die Jahre so viel
verändert und verbessert wurde wie an kaum einem anderen
Auto - mit dem Ergebnis, dass ein Käfer der siebziger Jahre
bis auf das Bauprinzip und den Wiedererkennungswert der Form
nichts mehr mit seinen Urahnen gemein hatte.
Schon
1951 wurde das Heizungssystem verbessert, was aber keine allzu
großen Auswirkungen hatte. 1953 wurde das Brezelfenster
mit dem Mittelsteg aus Metall durch ein größeres
Heckfenster ersetzt. Ab 1955 gab es zwei Auspuffrohre. Die anfangs
winzigen Heckleuchten wichen immer größeren Ausführungen,
bis zu den Maxi-Exemplaren im "großen" Käfer
1303 ab 1972 - im Volksmund "Elefantenfüße"
genannt. Die Blinker machten einige Ortswechsel mit: Anfangs
kamen Winkerarme in den Säule hinter den Türen zum
Einsatz. Später saßen die Blinker auf den Kotflügeln
und von 1974 an dann in den Stoßfängern.
Bei
der Motorisierung ging es von zunächst 25 PS bis später
50 PS. 1971 feierte man das erfolgreichste Käferjahr überhaupt:
Knapp 1,3 Millionen Exemplare liefen weltweit von den Bändern.
Am 17. Februar 1972 wurde Käfer Nummer 15 007 034 gebaut,
der den Produktionsrekord des T-Modells von Ford einstellte.
Doch VWs Passat-, Scirocco- und Golf-Modelle schoben den Käfer
immer mehr aufs Abstellgleis.
Der
letzte in Deutschland gebaute Käfer lief im Januar 1978
in Emden vom Band. Fortan gab es nur noch den Volkswagen aus
der Fremde, den Mexiko-Käfer. Einzige Ausnahme blieb das
1949 vorgestellte Cabriolet, das bis Januar 1980 bei Karmann
in Osnabrück gebaut wurde. Immerhin konnte man in Mexiko
im Mai 1981 den 20-millionsten Käfer feiern. Doch am 12.
August 1986 wurde mit der letzten Lieferung der offizielle Käfer-Import
nach Deutschland eingestellt. Immer wieder wurde seitdem vom
Produktionsende des Dauerläufers gesprochen. Es sollte
fast 17 weitere Jahre dauern, bis daraus Wirklichkeit wurde.
Quelle: Spiegel, Autor: Von Heiko
Haupt, gms